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Praxis & Vertrieb17. August 20268 Min. Lesezeit

Photovoltaik-Verkaufsgespräch: In 7 Schritten vom Vor-Ort-Termin zum Auftrag

Die meisten PV-Aufträge werden nicht am Telefon gewonnen und nicht im Angebot entschieden – sondern in den 90 Minuten vor Ort beim Kunden. Trotzdem behandeln viele Betriebe den Aufmaßtermin als reine Technik-Übung: Dach vermessen, Zählerschrank fotografieren, Angebot hinterherschicken. Genau dort verlieren sie. Dieser Leitfaden zeigt in 7 Schritten, wie aus dem Vor-Ort-Termin ein unterschriebener Auftrag wird.

Olli SchönemannOlli SchönemannGründer, PV Auftragswerk
Vertragsunterschrift beim PV-Termin

Schritt 1: Der Termin beginnt vor dem Termin

Wer unvorbereitet auf den Hof fährt, verkauft wie ein Vertreter. Wer vorbereitet kommt, berät wie ein Profi. Vor jedem Termin: Luftbild des Dachs anschauen, ungefähren Jahresverbrauch am Telefon abfragen, Anfahrt und Parkplatz klären – und am Tag vorher kurz anrufen, um den Termin zu bestätigen.

Der wichtigste Punkt dabei: Beide Entscheider müssen am Tisch sitzen. Eine PV-Anlage ist eine fünfstellige Familienentscheidung – fehlt ein Partner, gibt es keine Entscheidung, sondern nur ein „Wir besprechen das noch“.

Tipp

Die Entscheider-Frage stellst du elegant bei der Terminbestätigung: „Ich bereite die Wirtschaftlichkeitsrechnung für Sie beide vor – passt der Termin auch für Ihre Frau / Ihren Mann?“ Kein Druck, aber das Thema ist gesetzt.

Schritt 2: Erst der Küchentisch, dann das Dach

Der größte Unterschied zwischen Verkäufern und Beratern: Verkäufer steigen sofort aufs Dach, Berater setzen sich zuerst an den Küchentisch. Nimm dir 15 Minuten für Fragen: Warum jetzt – Stromkosten, Unabhängigkeit, das neue E-Auto? Ist eine Wärmepumpe geplant? Wie sieht der Tagesablauf aus, wann ist jemand zu Hause? Gibt es einen Budgetrahmen?

Diese Antworten entscheiden später über Anlagengröße, Speicher und deine Argumentation. Wer sofort über Module redet, verkauft Technik. Wer zuhört, verkauft eine Lösung – und Lösungen haben höhere Auftragswerte.

Schritt 3: Das Aufmaß als Vertrauens-Beweis

Das Aufmaß ist kein lästiger Pflichtteil – es ist deine Bühne. Denk laut: Erkläre, was du misst und warum. Zeig das Tablet mit der Dachbelegung. Benenne Verschattung, Statik-Fragen oder einen alten Zählerschrank ehrlich, statt sie wegzulächeln.

Gerade die ehrlich benannte Schwäche ist dein stärkster Moment: Der Kunde hat vorher zwei Hochglanz-Versprechen gehört – der Betrieb, der auch die Grenzen anspricht, wirkt als Einziger glaubwürdig. Glaubwürdigkeit schlägt am Küchentisch jeden Rabatt.

Schritt 4: Die Wirtschaftlichkeit vor Ort rechnen

Der häufigste Satz nach dem Aufmaß ist: „Sie hören dann von uns.“ Ein Fehler. Rechne die Eckdaten direkt vor Ort grob durch: erwarteter Ertrag, Eigenverbrauchsanteil, ungefähre Ersparnis pro Jahr, grobe Amortisation. Es muss keine finale Kalkulation sein – aber der Kunde braucht eine Hausnummer und ein Gefühl dafür, was die Anlage für IHN bedeutet.

Wer ohne Zahl geht, lässt den Kunden mit Google, Foren und dem nächsten Anbieter allein. Wer eine ehrliche Hausnummer dalässt, setzt den Anker, an dem alle anderen Angebote gemessen werden.

Schritt 5: Das Angebot terminieren – niemals einfach senden

Achtung

Der größte Einzelfehler im PV-Vertrieb: das PDF-Angebot per E-Mail – ohne Folgetermin. Es landet im Vergleichsordner neben drei anderen PDFs, und entschieden wird nach dem einzigen Kriterium, das ein PDF transportiert: dem Preis.

Vereinbare den Termin zur Angebotsbesprechung noch vor Ort, bevor du vom Hof fährst – idealerweise innerhalb weniger Tage, persönlich oder per Videocall. In diesem Termin gehst du das Angebot Seite für Seite durch: Komponenten, Garantien, Montageablauf, Wirtschaftlichkeit. Einwände kommen so auf den Tisch, solange du sie beantworten kannst – nicht nachts im stillen Kämmerlein.

Schritt 6: Einwände vorwegnehmen statt abwehren

  • „Wir holen noch zwei Angebote ein“ – begrüße es und gib Vergleichskriterien mit: Komponenten-Hersteller, Garantiedauer, Montage durch eigene Leute oder Subunternehmer, Reaktionszeit im Servicefall. Wer die Kriterien setzt, gewinnt den Vergleich
  • „Das ist uns zu teuer“ – zurück zur Rechnung: Es geht nicht um den Preis, sondern um Ersparnis, Amortisation und die nächsten 25 Jahre Stromkosten
  • „Wir müssen noch überlegen“ – völlig okay: Vereinbare ein konkretes Datum für die Entscheidung statt eines vagen „Meldet euch einfach“
  • „Wir warten auf bessere Preise oder Förderung“ – erkläre die Lage ehrlich: Die Einspeisevergütung sinkt planmäßig jedes Halbjahr, und echte Deadlines entstehen durch Netzanschluss-Wartezeiten und Montagekapazität – nicht durch erfundene Countdowns

Schritt 7: Der Abschluss ist ein nächster Schritt, kein Überfall

Wenn du die Schritte 1 bis 6 sauber gegangen bist, ist die Abschlussfrage keine Mutprobe mehr, sondern der logische nächste Schritt: „Wenn für Sie beide alles passt – sollen wir die Montage für Ende Oktober oder Anfang November einplanen?“ Zwei konkrete Optionen, kein Druck.

Und wenn es ein Nein ist: sauber nachfassen, Grund verstehen, Kontakt halten. Ein professionell geführter Termin zahlt sich oft Monate später aus – spätestens, wenn der Billig-Anbieter nicht liefert.

Was die Anfrage-Qualität aus deiner Abschlussquote macht

Geteilter Portal-Lead (3–5 Wettbewerber)7% Abschlussquote
Oberes Ende der üblichen 3–7 % bei gekauften Datensätzen
Exklusive, vorqualifizierte Anfrage43% Ø Abschlussquote
Durchschnitt unserer Partner-Betriebe – echtes Kaufinteresse statt Datensatz

Denn eines muss klar sein: Die beste Gesprächstechnik der Welt rettet keinen Termin mit jemandem, der nie ernsthaft kaufen wollte. Abschlussquote entsteht aus zwei Faktoren – der Qualität deiner Gesprächsführung UND der Qualität der Anfragen, die überhaupt auf deinem Tisch landen. An beiden Hebeln kannst du ziehen.

Vorbereitung schlägt Talent: Wer mit Plan zum Termin fährt, fährt öfter mit Unterschrift heim.
Vorbereitung schlägt Talent: Wer mit Plan zum Termin fährt, fährt öfter mit Unterschrift heim.
Der Auftrag wird nicht im Angebot entschieden – sondern in den 90 Minuten am Küchentisch.

Fazit: Struktur schlägt Bauchgefühl

Die 7 Schritte sind kein Verkaufstrick, sondern ein Ablauf, der dem Kunden Sicherheit gibt: Vorbereitung, Zuhören, transparentes Aufmaß, ehrliche Zahlen, terminierte Angebotsbesprechung, souveräne Einwandbehandlung, konkreter nächster Schritt. Betriebe, die diesen Ablauf konsequent fahren, gewinnen nicht nur öfter – sie gewinnen auch die besseren Kunden: die, die wegen Vertrauen kaufen und nicht wegen 500 € Rabatt. Nimm dir einen Schritt pro Woche vor und bau ihn fest in deine Termine ein.

Häufige Fragen zum PV-Verkaufsgespräch

Wie läuft ein guter Vor-Ort-Termin für eine PV-Anlage ab?

In fester Reihenfolge: vorbereitet ankommen, zuerst 15 Minuten Bedarfsgespräch am Küchentisch, dann transparentes Aufmaß, grobe Wirtschaftlichkeitsrechnung vor Ort – und zum Schluss den Termin für die Angebotsbesprechung vereinbaren, bevor du vom Hof fährst.

Wie lange sollte ein Aufmaßtermin dauern?

Plane 60 bis 120 Minuten ein: rund 15 Minuten Bedarfsgespräch, 30 bis 60 Minuten Aufmaß und Technik-Check, danach Zeit für die grobe Rechnung und offene Fragen. Wer nach 20 Minuten wieder im Auto sitzt, hat verkauft statt beraten – und das spürt der Kunde.

Sollte man das Angebot direkt vor Ort machen?

Eine grobe Hausnummer: ja, unbedingt – Ertrag, Ersparnis und Amortisation als Größenordnung. Das finale Angebot besprichst du aber in einem eigenen Termin Seite für Seite, statt es per E-Mail zu schicken. So bleibst du im Gespräch, wenn die Entscheidung fällt.

Wie gehe ich damit um, dass Kunden weitere Angebote einholen?

Nicht dagegen kämpfen, sondern die Vergleichskriterien setzen: Komponenten-Hersteller, Garantiedauer, eigene Monteure oder Subunternehmer, Servicezeiten. Wer dem Kunden eine Checkliste für den Vergleich mitgibt, gewinnt ihn meist – auch ohne der Billigste zu sein.

Welche Abschlussquote ist im PV-Vertrieb normal?

Das hängt stark von der Anfrage-Qualität ab: Bei geteilten Portal-Leads sind 3 bis 7 % üblich, bei exklusiven Leads 25 bis 35 %. Mit exklusiven, vorqualifizierten Anfragen und strukturierter Gesprächsführung erreichen unsere Partner-Betriebe im Schnitt 43 %.

Warum verlieren Betriebe Aufträge nach einem guten Aufmaßtermin?

Fast immer aus drei Gründen: Das Angebot kommt erst nach ein bis zwei Wochen, es wird kommentarlos per E-Mail geschickt statt besprochen, und es fehlt ein vereinbarter nächster Schritt. Alle drei Fehler kosten mehr Aufträge als jeder Preisunterschied.

Bessere Termine statt kalter Datensätze

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